Buchtipps 2015


Komplizen-des-GluecksBuchtipp Dezember 2015
“Komplizen des Glücks” von O. P. Zier.

“Regelmäßig hielten wir an Rastplätzen … weil Papa natürlich die gesetzlich vorgeschriebenen Rastzeiten für Berufsfahrer einzuhalten pflegte, wenn er unseren Kleinwagen chauffierte” – hier habe ich Tränen gelacht, so wunderbar entstanden die Bilder in meinem Kopf. Die Familie Wirring, die hier beschrieben wird, fällt aus der Norm und ist doch darin, nämlich in der Norm, wie John Irving es beschreibt, dass Familien von außen betrachtet immer irgendwie schräg sind, während die betroffenen Mitglieder des Verbandes ihr Tun immer für völlig normal befinden. Im Falle der Wirrings ist es der kleine Sohn, der immer wieder im Lauf seines Erwachsenwerdens fest stellen muss, dass diese Familie doch ein gutes Stück von der Norm abweicht – und der damit ab und an seine liebe Not hat.

Opa Wirring, der “staundend und kiffend an der Balkonbrüstung lehnte, um den Menschen dabei zuzusehen, wie sie sich mit Lappalien aller Art ihre ohnehin kurze Lebenszeit auch noch selbst versauten”, ist Rockmusiker und tingelt mit seinem VW Bus durch die Lande, Papa ist nach einer mittleren Karriere im Marketing Lebensforscher und Mama ist eine ewig Wachende über die Ungerechtigkeiten der Welt: “So weit käme es noch, rechte Winkel! Im eigenen Haus!”

Dieses Buch hat mich mitgenommen in eine Parallelwelt der eigenen Jugend, begeistert, von dem, was möglich wäre, oder ist, habe ich es gelesen und ich sage allen Menschen zum Trost: es gibt die Pete Wire Gang. Wir müssen nur daran glauben.

 

the-hotel-new-hampshireBuchtipp November 2015
“The Hotel New Hampshire” von John Irving.

Klug in der Sprache, abenteuerlich in der Plotführung, krause Fantasien mischen sich mit Lebensweisheiten, die man gerne behalten möchte. Eselsohren zierten meine erste Ausgabe vom Hotel New Hampshire. Der Versuch, die weisen Worte immer greifbar zu halten.

Auf meinen Reisen habe ich die Hörbuchvariante mit dabei und lausche wieder der wunderbaren, schrecklichen und völlig absurden Geschichte einer Familie auf ihrem Weg durch die Welt. Bei diesem Buch mischen sich Lachen und Weinen, Entsetzen und Erleichterung und am Ende kommt das Gefühl der unendlichen Gerechtigkeit im Leser hoch. Ja, es gibt eine Gerechtigkeit. Und Kummer schwimmt immer obenauf. Genauso wie die Liebe.

Mein Leitsatz also für den November: “Keep passing the open windows”.